Das Licht in der Fotografie
Licht ist die Strahlungsenergie zerfallender Atome. Aber wichtiger für uns ist, dass
Licht unser Medium ist.
Fotografieren bedeutet zeichnen mit
Licht, und nicht bloss abbilden oder belichten. Da
Licht so bedeutend für uns ist, unterscheiden wir auch verschiedene Lichtarten, um es ausschöpfen zu können. Wir unterscheiden
Licht nach seinem Ursprung, also natürliches oder künstliches
Licht, nach der Richtung, von der aus es einfällt, danach, ob es sich um direktes, reflektiertes oder gefiltertes
Licht handelt und nach seiner Intensität. Auf all diese Punkte wird in diesem Kapitel eingegangen.
Die wohl wichtigste und offenkundigste Eigenschaft des
Lichts ist, das Motiv zu beleuchten. Aber
Licht gibt dem Bild auch Stimmung. Das selbe Motiv, vom selben Standpunkt aus fotografiert, wechselt seine Stimmung, bei sich verändernden Beleuchtungsverhältnisen. Eine Lanschaft zum Beispiel wirkt bei Mittagslicht anders als bei Sonnenuntergang, bei bewöktem Himmel anders als bei strahlend blauem Himmel.
Licht hat Einfluss auf die Konturen und die Farbe des Motivs. Bei bebedecktem Himmel oder difusem
Licht ist die Konturzeichung nicht so scharf wie bei klarem Himmel oder direktem
Licht.
Licht und Schatten verleiht dem Bild Tiefe, also eine Illusion von dreidimensionalität.
Fotografien sind nur zweidimensional, aber die meisten Motive haben drei Dimensionen. Schatten ist eine Möglichkeit, die wir in der Fotografie haben, die fehlende Dimension, die Tiefe, anzudeuten. Lese mehr im Kapitel
Raum und Tiefe
Bei natürlichem und künstlichem
Licht handelt es sich in erster Linie um Sonne und den Rest der Lichtquellen. Sonnenlicht am Mittag hat eine Farbtemperatur von 5500° Kelvin und Glühbirnenlicht etwa 3500°. Glühbirnenlicht hat einen höheren Rotanteil, während sich das Sonnenlicht, zumindest Mittags, zu gleichen Teilen aus rotem, blauem und grünem
Licht zusammensetzt.
Es gibt aber künstliche Lichtquellen, die das Tageslicht simulieren. Das
Licht von Fotolampen oder Blitzlicht zum Beispiel hat eine Lichttemperatur von 5500°. Die Unterscheidung der Farbtemperatur ist also wichtiger als die Unterscheidung natürliches und künstliches Licht. In der Fotografie werden Tageslicht und Kunstlicht unterschieden, auch wenn das Tageslicht von einer künstlichen Lichtquelle stammt.
Wie gerade klar wurde, ist
Licht ist nicht gleich
Licht. Das Glühbirnenlicht hat deutlich mehr Rotanteile als das Sonnenlicht und Leuchtstoffröhren haben einen größeren Blauanteil. Unser Gehirn adaptiert automatisch die Farbe des
Lichts, aber die Kamera tut dies nicht. Deshalb haben Bilder, die mit Tageslichtfilm aber bei Glühbirnenlicht aufgenommen wurden einem Orangestich und bei
Licht aus einer Leuchtsoffröhre einen Blaustich. Wie du diese Farbverfälschung vermeiden kannst habe ich weiter unten bei den
Lichtausgleichs- und Farbkorrekturfilter erklärt.
Wichtig ist die Farbtemperatur, um den geeigneten Film zu benutzen. Bei Digitalkameras, kannst du einfach über den Weißabgleich die Kamera auf die Farbtemperatur einstellen. Analogkameras, können entweder mit einen Film für die jeweilige Farbtemeperatur bestückt werden, oder durch
Korrekturfilter (siehe unten) den Film an die Farbtemperatur adaptiert werden.
Die Lichtrichtung bestimmt verschiedene Charakteristiken des Bilds. Eine Beleuchtung von schrägoben wirkt natürlich, während eine Beleuchtung von unten unnatürlich wirkt. Es wird zwischen Vorderlicht, Seitenlicht, Gegenlicht,
Licht von oben und Licht von unten unterschieden. Die Lichtrichtung bestimmt in welche Richtungen die Schatten fallen, was sich wiederum auf die Tiefenwirkung des Fotos auswirkt. Je tiefer die Beleuchtungsquelle steht, desdo länger fallen die Schatten aus.
Bei Vorderlicht wird das Motiv von vorne beleuchtet. Die Schatten fallen hinter das Motiv und sind wenig oder gar nicht sichtbar. Dadurch wird die Tiefenwirkung recht flach. Allerdings ist der Helligkeitskontrast am geringsten.
Das Seitenlicht ist die einfachste Beleuchtungsart. Die Schatten deuten besser eine Tiefe an, aber der Kontrast ist noch nicht so stark.
Gegenlicht ist die Kontrastreichste Beleuchtungsrichtung, aber auch diejenige, mit der größten Tiefenwirkung, da die Schatten in Richtung Kamera fallen.
Das
Licht von Oben (Mittagslicht) ist die am wenigsten brauchbare Beleuchtungsrichtung. Senkrechte Flächen werden kaum beleuchtet und die Schatten sind zu klein um eine Tiefenwirkung zu erzielen.
Das
Licht von unten wirkt unnatürilch, das es in der Natur kaum anzutreffen ist.
Direktes
Licht bedeutet, dass es von seiner Lichtquelle dirkt auf das Motiv strahlt. Es wird dabei nicht in seiner spektralen Zusammensetzung verändert. Das
Licht eines gegen eine gelbe Decke gerichteten Blitz wird gelb reflektiert und entspricht nicht mehr dem Original. Reflektiertes und auch gefiltertes
Licht nehmen die Farbe des Mediums an, das es reflektiert oder filtert. Wie bei der gelben Decke so passiert es auch zum Beispiel bei einer rosanen Gardine oder grünes Laub im Wald. Das Licht fällt durch die rosane Gardine auf ein weißes Bettlaken, aber im Foto wird das Laken nicht rein weiß sein, sondern einen rosanen Farbstich haben.
Die Lichtintensität hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie das Motiv im Bild erscheinen wird. Hartes
Licht gibt das Motiv mit scharfer Konturzeichnung und harten Schlagschatten wieder, der Kontrast ist höher, die Farben intensiver und Details werden deutlicher dargestellt. Weiches
Licht stellt das Motiv mit geringerem Kontrast dar die Detailzeichnug ist geringer die Schatten sind weicher und die Farben sind weniger intensiv und können bis in Pastelartige reichen.
Lichtausgleichsfilter (color conversion-filter) adaptieren die Farbtemperatur des Lichts an den eingelegten Film. So ist es nicht notwendig den Film zu wechseln, weil die Lichtverhältnisse ändern. Z.B. hast du einen Tageslichtfilm eingelegt und willst jetzt eine Aufnahme im innern bei Glühbirnenlicht machen. Das Filter adaptiert das Glühbirnenlicht (3500° Kelvin) an den Film (5500°). Das Farbkorrekturfilter (color compansating filter) ist nötig wenn bei Mischlicht fotografiert wird. Z. B. machst du eine Aufnahme im Innern bei Glühbirnenlicht und zusätzlich setzt du ein Blitzgerät ein das Tageslicht produziert, dann brauchst du ein Filter, das diese Lichtverhältnisse adaptiert. Eine andere Situation kann sein das du mit Tageslichtfilm bei Sonnenuntergang fotografierst und ohne Filter übertriebene Rotanteile im Bild hättest. Bei Digitalkameras kannst du über einen Weißabgleich die Farbsensibilisierung an die Lichtverhältnisse anpassen.