Die Aufnahme kontrollieren
Die Aufnahme kontrollieren, wird erst möglich, wenn wir die Eigenschaften und Konsequenzen der Ausrüstung und Techniken kennen. Ein Bildhauer hat verschiedene Meißel von denen er denjenigen wählt, der ihm für die jeweilige Aufgabe am geeignetesten erscheint. Er wählt sein Material auf Grund seiner Aussage. Auch wir in der Fotografie verfügeen über unzählige Möglichkeiten die Erscheinung des Motivs im Foto zu modifizieren.
Das Objekt auswählen
Wähle dein Motiv nach Kriterien der fotografischen Ähstetik, bedenke die Unterschiede zwischen unsere Sichtweise und die Art in der Fotoapparate Objekte auffassen. Es folgen die wichtigsten fotografischen Eigenschaften die ein Motiv haben sollte/nicht haben sollte:
| Positive Eigenschaften | Negative Eigenschaften |
| Klarheit und Einfachheit | Verwirrung und Unordnung |
| Kontrast | mangelnder Kontrast |
| interessante Formen | |
| grafischer Aufbau | |
| Tiefe | Fehlen von räumlicher Darstellung |
| Struktur | |
| klare Einzelheiten | Ungeeigneter Hintergrund |
| Spontanität und Bewegung | |
| Muster | |
| Rythmus und Wiederholung |
Das Objekt auffassen
Dieser Schritt vollzieht sich im Geiste. Dabei kannst du grundsätzlich folgende Schritte unterscheiden:
a) Farbe oder Schwarzweiß
Jedes Objekt kann in Farbe oder S/W wiedergegeben werden, beide verlangen verschiedene Vorgehensweisen (Filter, Beleuchtung, etc)Dazu musst du überlegen ob Farbe die wichtigste Eigenschaft des Motivs ist, und ob die Farbe technisch gut wiedergegeben werden kann (z.B. Farbstich, zu hoher Kontras, etc)
b) Illustration oder Interpretation
Die illlustrative Auffassung des Motiv führt zu einer dokumentarischen, objektiven Darstellung.Bei der interpretierenden Auffassung wiegen dein Gefühl und deine Sichtweise mehr als die Tatsache.
c) Physikalische Aspekte der Auswahl
1. Objektabstand2. Aufnahmerichtung
1. Objektabstand
Der Objektabstand beeinflusst die Abbildungsgröße des Motivs und das Verhältnis von Vorder- und Hintergrund.a) Der Abstand zum Objekt regelt den Maßstab des Motivs im Bild und das Verhätnis zwischen Vorder- und Hintergrund. Je näher du an ein Objekt gehst und /oder je länger die Brennweite des Objektivs ist, desto größer erscheint das Motiv im Bild.
Nahaufnahme: Die Nahaufnahme zeigt weniger Umfeld und ablenkende Dinge. Die Eigenschaften einer solchen Aufnahme sind, Klarheit und kein bzw. nicht viel störender Hintergrund.
"Ist dein Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran." Robert Capa.
Übersichtsaufnahme: Sie zeigt ein Objekt in seiner Umgebung, das Foto wird aus größerer Entfernung und/oder mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen.
b) Verhätnis von Vorder- und Hintergrund
Das Verhätnis von Vorder- und Hintergrund hängt davon ab, mit welcher Art Objektiv du die Aufnahme machst. Ein Beispiel verdeutlicht es: In der ersten Bildserie habe ich vom selben Standpunkt aus mit verschiedenen Brennweiten eine Skulptur fotografiert. Es verändert sich der Abbildungsmaßstab und es wird mehr oder weniger Umfeld gezeigt. Aber die Proportionen sind die gleichen. Würdest du die Weitwinkel-Aufnahme auf den Maßstab der Tele-Aufnahme vergrößern, bekämmst du zwei deckungsgleiche Abbildungen. Die vergrößerte Aufnahme kann etwas körniger erscheinen, aber die Proportionen sind die gleichen.
Bei der zweiten Bildserie habe ich meinen Standpunkt verändert, und zwar so, dass der Abbildungsmaßstab der Skulptur immer der gleiche ist. Der Hintergrund erscheint kleiner oder größer je nachdem mit welchem Objektiv ich die Aufnahme gemacht habe.
2. Aufnahmerichtung
Der erste Standpunkt ist selten der Beste, beobachte dein Motiv, betrachte es von allen Seiten. Wähle die Aufnahmerichtung auf Grund folgender Faktoren:a) Art des Objekts
b) Art des Hintergrunds
c) Beleuchtungswinkel
d) Zweck des Bildes
a) Art des Objekts
Manche Objekte haben eine Vorder-, Seiten- und Rückenansicht, z.B. ein Mensch oder ein Auto, andere Objekte haben dies nicht, z.B. eine Straße oder ein Baum.Es macht einen Unterschied ob du ein Objekt von Vorne oder von der Seite zeigst. Bei Dreidimensionalen Objekten musst du auf Perspektive (Verkürzung, Verkleinerung, Überschneidung und Verzeichnung) achten, vor allem wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv aus kurzer Entfernung aufnimmst. Oder es kann zu ungüstigen Überschneidungen kommen, die von einem anderen Standpunkt zu vermeiden wären.
b) Art des Hintergrunds
Der Hintergrund wird oft vernachlässigt, aber ein ungeeigneter Hintergrund kann die Wirkung des Bildes schwächen oder gar zerstören. Ein guter Hintergrund lenkt die Aufmerksamkeit nicht vom Objekt ab und hebt das Objekt durch Kontrast hervor.Kannst du das Objekt nicht vor einem anderen Hintergrund positioniert werden, musst du versuchen den Hintergrund durch einen anderen Standort zu ändern. Oder du machst die Aufnahme mit einer großen Blendenöffnung um den Hintergrund unscharf zu halten (siehe Schärfentiefe). Ein andere Möglichkeit wäre die Aufnahme zu verschieben und zu warten bis der Hintergrund im Schatten liegt.
c) Beleuchtungswinkel
Wenn das Objekt gefällt, der Hintergrund passt, aber die Beleuchtung nicht, gilt auch hier warten, bis die Sonne einen günstigeren Stand hat oder die Aufnahme an einem Tag machen, an dem der Himmel bewölkten ist und das Licht streut.d) Zweck des Bildes
Bei Illustration solltest du den Standpunkt so wählen, das es nicht zu Verzeichnung kommt. Bei einer Interpretation dagegen, kann gerade die Verzeichnung wünschenswert sein, um die Bildidee zu verstärken,
Das Objekt wiedergeben
Die folgenden Kontrollmöglichkeiten sind variabel und mit einander kombinierbar. Das führt zu einer enormen Anzahl an Möglichkeiten auf die Wiedergabe des Objekts einfluss zu nehmen. Du kannst durch 4 verschiedene Entscheidungsbereiche deine Aufnahme Modifizieren:
a) Ausrüstung und Material
b) Methoden und Techniken
c) Änderungsfähige Aspekte des Bilds
d) Bestimmen des Zeitpunkts der Belichtung
a) Ausrüstung und Material
Es macht einen Unterschied, ob ich eine Aufnahme mit einer Großformatkamera mache, oder mit einer Kleinbildkamera, mit einem Weitwinkelobjektiv aus geringer Entfernung oder mit Teleobjektiv bei größerer Entfernung usw. Lies noch mal im Kapitel Ausrüstung oder im Kapitel Zubehör nach, um Wirkungsweisen, Charakteristiken und Vor- und Nachteile der Ausrüstungsgegenstände kennen zu lernen. Oder im Kapitel Film und Chip um mehr über das fotografische Arbeitsamterial zu erfahren.b) Methoden und Techniken
1) Ausschnitt bestimmen2) Fokusieren
3) Belichten
4) Entwickeln oder elektronische Bildbearbeitung
5) Vergrößern
1) Ausschnitt bestimmen
Den Ausschnitt stellst du über den Sucher/die Mattscheibe ein. Im Kapitel Ausrüstung kannst du bei den Kameratypen die Charakteristiken der verschiedenen Sucher nachlesen.2) Fokusieren
Du kannst nur auf eine Zone scharfstellen, die eine bestimmte Entfernung zu der Kamera hat. Objekte vor und hinter dieser Zone werden unschärfer, je weiter sie von dieser Zone entfernt liegen. Diese Zone kann durch verkleinern der Blendenöffnung vergrößert werden. Bei Studiokameras kann über die Verstellung der Filmebene und/oder Objektivstandarte die Schärfentiefe ausgedehnt werden.
3) Belichten
Die Belichtung regelst du durch die Kombination aus Blende und Verschluss. Die Belichtung bestimmt die Dichte, Schattendurchzeichnung und den Kontrastumfang des Negativs/Dias. Je länger das Negativ belichtet wird, desto dichter wird es und desto durchgezeichneter sind seine Schatten (Details in den dunklen Partien des Fotos).Der Kontrastumfang ist eine Kombination aus Belichtung und Entwicklung. Du kannst den Kontrastumfang deiner Negative modifizieren um noch vernüftige Negative von sehr kontrastarmen Motiven (z.B. Fernaufnahmen) oder kontrastreichen Aufnahmen (Nahaufnahmen in heller Sonne) zu erhalten. Kürzer belichten und länger entwickeln erhöht den Kontrast, und umgekehrt.
Schärfe und Körnigkeit hängen auch von der Belichtung ab. Ein überbelichtetes Negativ ist durch Lichtstreuung weniger scharf und auch körniger als ein richtig belichtetes Negativ.
Auch die Bewegungsdarstellung hängt von der Belichtung ab. Je länger die Belichtungszeit bei einem bewegtem Objekt ist, desto höher ist der Eindruck von Geschwindigkeit.
4) Entwickeln oder elektronische Bildbearbeitung
Bei der Entwicklung sowohl des Films als auch der Abzüge kannst du noch Einfluss auf den Bild nehmen. Das Labor und die elektronische Bildbearbeitung sind nicht Teil diese Kurses.5) Vergrößern
Im Schwarzweiß-Heimlabor kannst du selber entscheiden, wie du deine Aufnahmen vergrößerst. Auf Papier einer bestimmten Gradation, oder auch auf Multigrade-Papier verschiedene Gradationen im selben Foto verarbeiten. Zonen nachbelichten oder Licht abhalten, um den Kontrast zu modifizieren. Verschiedene Chemikalien benutzen. Das Heimlabor wird hier nicht besprochen, da es den Rahmen sprengen würde. Such in der öffentlichen Bücherhalle oder im Internetc) Änderungsfähige Aspekte der Aufnahme
Jdes Objekt kann auf unendlich viele Arten aufgenommen werden. Das Motiv im Bild positionieren, die Bewegung etwas stärker wiedergeben, die Schärfe nur auf das Objekt begrenzen usw. Alle diese Möglichkeiten haben einen großen Einfluss auf das Bild.
d) Bestimmen des Zeitpunkts der Belichtung
Bestimmen des Zeitpunkts kann sowohl der richtige Sekundenbruchteil in einem Bewegungsablauf sein. der Moment in dem sich die Objekte im "richtigen" Verhältnis zu einander befinden, oder auch festlegen ob du die Aufnahme Morgens, Mittags, Abends, bei strahlendem Sonnenschein oder bedecktem Himmel machen willst. Eine Entscheidung die sehr große Konsequenzen auf dein Bild hat.




